Die Diktatur des Gottvaters Brown konnte ihn nicht aus der Ruhe bringen. Den intergalaktischen Ausflugen im Mutterschiff des George Clinton folgte er mit bodenhaftender Coolness. Und wahrend die digitalen Dilettanten des Sample-Zeitalters ihre Musik heute mittels Klauen und Kleben herstellen, steht Maceo Parker auch nach 40 Berufsjahren noch mit dem Gewicht seiner kunstlerischen Personlichkeit fur handgemachte Perfektion. Seine Kunst ist der Groove, sein Metier ist der Funk, seine Melodiebogen sind su?, synkopiert und mit jenen Breaks'n'Stops versehen, die Maceos trommelnder Bruder Melvin als stilbildend bezeichnet: "Funk is what you play, but it's also what you don't play." Diese Tugenden gelten auch fur Dial m.a.c.e.o., das sechste Solo-Album des Alt-Saxofonisten seit 1989, wie bereits der relaxte Aufwarm-Groover "Rabbits In The Pea Patch" beweist. Unter strikter Einhaltung des Mischverhaltnisses von 2% Jazz und 98% Funky Stuff betatigen sich Wahwah-Gitarren, Hammond-Orgeln, gerappte Refrains, gebreakte Blasersatze und Parkers saxofonale Solo-Wanderschaften. Die wirklichen Highlights eines jeden Maceo-Albums aber sind die Kooperationen mit hochst unterschiedlichen Gasten. So singt Ani DiFranco auf "Coin Toss" verrucht wie selten, und angespornt von Parkers gro?artigem Lick ruft die Frauenrechtlerin Worte, die bisher allein Macho-Meister James Brown vorbehalten waren: "Maceo, want you to blow...". Gegen derlei Hei?blutigkeiten setzt Parkers Sohn Corey einen angenehm klischeefreien Slow-Rap in "Black Widow", und James Taylor leiht dem potenziellen Hit "My Baby Loves You" seine Stimme. Nur der kleine Prinz produziert mit "The Greatest Romance Ever Sold" eine Ballade, die so mancher Daily Soap als Titelmelodie zur Ehre gereichen wurde. Doch der kleine Kunstler, der heutzutage haufiger uber sein Pseudonym als uber seine Musik nachdenkt, rettet seine Ehre mit einem zweiten, versteckten Track, der sich zum Highlight der Platte entwickelt und obendrein klingt, als hatte es die kreative Flaute des Prinzen seit Sign O' The Times nie gegeben. Vielleicht hat ihm Sheryl Crow an der Mundharmonika den Marsch geblasen. Vielleicht hat Maceo Parker aber auch einfach nur den Funk nach Minneapolis zuruck gebracht. --Bjorn Doring Amazon.de "My name is Maceo. I will blow soul outta this horn!" -? ein schon legendarer Ausspruch Maceo Parkers, der zu seinem Credo wurde. Und wahrlich, Parker ist ein Soul Man, ein Vollblutmusiker der alten Schule, der ab 1964 gut 15 Jahre als Saxofonist bei James Brown verbrachte und mit u.a. George Clinton und De La Soul arbeitete, bevor er 1989 mit Roots Revisited uberraschend die Top-Positionen der Jazzcharts erreichte. Was Funk und R'n'B betrifft und wie man eine Party zundet, da macht ihm keiner was vor, und auch nach mehr als 30 Jahren ist Maceo, der Entertainer, das Buhnentier, live am besten. Als Studioalbum ist dieses (mit Ausnahme des stilistisch ohnehin au?ergewohnlichen Roots Revisited) so gut wie jedes andere. Echtes Handwerk, echte Musiker, die echten Schwei? schwitzen und den Groove am rechten Fleck tragen. Highlight ist "Toin Coss" mit Ani Di Franco, die sich einmal mehr als scheinbar endlos wandlungsfahig erweist und als tough & sexy Soul Babe fur Maceos Gastauftritt auf ihrem Album To The Teeth Danke sagt. Eher ein bisschen peinlich dagegen ist die Version von The Artists "The Greatest Romance Ever Sold" (bei den Aufnahmen zu seinem Rave Un2 The Joy Fantastic hatten die drei sich kennen gelernt), hinter der sich nichts anderes verbirgt als die Instrumentalspur des Originals mit Saxofon statt Stimme. Okonomisch zwar, aber -? Seele?!? --Rolf Jager